IFS - Psychotherapie in Göttingen

IFS – Achtsamkeitstherapie der inneren Familie

„Zwei Seelen wohnen in meiner Brust“

Die Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS) basiert auf den bahnbrechenden Arbeiten des amerikanischen Familientherapeuten Richard Schwartz. Sie steht in der langen psychologischen Tradition, die von der Pluralität der menschlichen Psyche ausgeht. Dieses Konzept besagt, dass wir kein konsistentes Ich sind, sondern wie der Heidelberger Arzt Gunther Schmidt scherzhaft sagt, „einen ganzen Verein in uns haben.“ Schon Goethe lässt Faust sagen, dass er zwei Seelen in seiner Brust habe. Und Otto von Bismarck legt noch einen drauf, indem er gesagt haben soll: „Faust beklagte sich, er habe zwei Seelen in seiner Brust. Ich habe einen ganzen sich zankenden Haufen in mir.“ Jeder kennt die Erfahrung, dass es widerstreitende Strebungen in uns gibt: Ein Ich-Anteil möchte die schicken Schuhe kaufen, ein anderer Ich-Anteil findet es unnötig oder unvernünftig. Oder: Ein Ich-Anteil geht eilig am obdachlosen Bettler vorbei, während ein anderer Ich-Anteil sich über die eigene Herzlosigkeit beklagt.

Ich habe mich mit einem Teil von mir verwechselt

Als Familientherapeut entdeckte Richard Schwartz, dass wir abhängig vom Kontext in verschiedene Ich-Zustände geraten. Je nach dem, ob wir uns z.B. gerade sicher, wertgeschätzt und zufrieden oder kritisiert, schief angeguckt oder abgelehnt fühlen, werden in uns andere Erlebens-Netzwerke aktiviert. Wir sehen dann zwar noch ähnlich aus, sind aber zu jemand anderem geworden (-: Wer kennt es nicht, dass wir unseren Partner anschauen und denken wir hätten den Traum-Mann oder die Traum-Frau schlechthin gewählt. Und nicht viel später (z.B. bei einem eskalierenden Paar-Konflikt) erleben wir  ein Gegenüber, das wir aufgrund seiner „Schlechtigkeit“ förmlich nicht wieder erkennen. Der Partner zeigt eine völlig andere Seite, die mit der vorherigen wenig gemeinsam zu haben scheint. Beruhigend kann die Erkenntnis sein, dass diese „schwierige“ Seite nicht der ganze Mensch ist, sondern dass „das System“ des Partners von diesem Teil gekidnapped wurde.

Alle Teile sind willkommen

Jeder Mensch trägt sehr viele verschiedene Seiten in sich, die wie kleine, echte, eigenständige Personen in uns, ihre eigenen Entstehungsgeschichten haben. Jeder einzelne Teil betrachtet die Welt durch seine eigene Brille auf eine spezifisch eingeengte

(oder man könnte auch sagen: spezialisierte) Weise. Typisch ist, dass die Teile keine „Hier-und-Jetzt-Perspektive“ haben, sondern in der Vergangenheit feststecken. Sie sind in der Zeit eingefroren, in der der jeweilige Anteil aufgrund von bedrohlichen Lebenssituationen entstanden ist. Jeder Teil verfügt einerseits über seine ursprüngliche Lebendigkeit und Kreativität und trägt andererseits seine erworbenen spezifischen emotionalen Lasten und schmerzhaften Überzeugungen (z.B. die Überzeugung der eigenen Wertlosigkeit). Richard Schwartz entdeckte, dass sich die inneren Anteile genauso wechselseitig beeinflussen wie Mitglieder einer Familie. Wechselseitiges Einfühlen, Wertschätzen und Anerkennen der verschiedenen Seiten, ihrer jeweiligen Bedürfnisse, Sichtweisen und Befürchtungen sind die Grundlage für ein friedlicheres und zieldienlicheres Miteinander in äußeren wie auch in inneren Systemen.

 Auf die richtige Führung kommt es an

Es ist ungemein entlastend und erhellend, wenn problematische Eigenschaften und schmerzhaftes Erleben, verschiedenen inneren Anteilen zugeordnet werden können. Nicht ich als ganze Person fühle, denke und verhalte mich problematisch, sondern nur ein Teil von mir. Diese Sichtweise eröffnet völlig neue Lösungsmöglichkeiten. Häufig sind wir mit bedürftigen, verletzten Anteilen verschmolzen. Dabei handelt es sich, wie gesagt, in der Regel um „jüngere Ichs“, die wir einmal waren und die noch immer in uns gespeichert sind.  Wenn uns ein solcher Anteil kidnappt, sehen wir die Welt durch dessen Brille, und dann stehen uns nur noch seine eingeschränkten Handlungsoptionen zur Verfügung. Wenn wir uns hingegen nicht kidnappen lassen, und stattdessen das Selbst (unser gesunder innerer Erwachsener) in Führung ist, sind wir im Kontakt mit dem vollen Spekrtum unserer erwachsenen Kompetenzen. Genauso wie ein Orchester einen qualifizierten Dirigenten braucht, um es nicht zu einer Kakophonie, sondern Symphonie kommen zu lassen, so braucht das innere System das Selbst als innere Führungskraft. Mit dem Selbst ist die beste denkbare und erfahrbare innere Instanz in Führung. Damit sind wir in der Lage, die verletzlichen Anteile zu trösten, zu umsorgen und sogar zu heilen. So sind wir in der Lage, unser Leben kompetent, freudvoll und erfolgreich zu leben. In der Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS)  wird der Zugang zum Selbst wieder und wieder gebahnt.

Psychotherapie in Göttingen trifft Spiritualität

Das Selbst
Richard Schwartz entdeckte in der Arbeit mit seinen KlientInnen eine innere „Instanz“, die kein Anteil ist. Er nannte es das Selbst. Das Selbst ist die innere Essenz, der seelische „Kern“ des Menschen, der durch Schicksalsschläge nicht verletzt werden kann. Es ist das „Immer-Heile“ und „das Echte“ in uns. Es ist erlebbar als Achtsamkeit, Klarheit, reine Präsenz, Mitgefühl, Weisheit, Liebe, Mut und Stärke. Das Selbst als die heile und heilende Instanz in uns erinnert an die Idee buddhistischer Traditionen, die dem Menschen „Buddha-Natur“ zuschreiben. Derweiteren steht das Selbst für alle gesunden, erwachsenen Ich-Funktionen, die es ermöglichen, ein gelungenes und erfolgreiches Umgehen mit den Herausforderungen des Lebens zu ermöglichen.
In der Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS) wird wieder und wieder auf das Erleben des Selbst fokussiert und die Klientin ermutigt, aus ihm heraus mit den Teilen in Kontakt zu treten. Dies vermag wahre Heilung zu bringen. Das Selbst hat die Kraft und das Mitgefühl, mit inneren verletzlichen Anteilen fürsorglich zu kommunizieren. Es hat die Stärke und Diplomatie, strenge, harte und kritische innere Anteile aus ihren nicht mehr benötigten extremen Beschützer-Rollen zu entlassen, ohne dabei deren Kraft zu verlieren.

Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS) wirkt sehr gut bei Trauma, Depression, Ängsten und Burnout

Die Wirksamkeit der Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS) beschränkt sich nicht auf bestimmte Diagnosen. Wenn innere Polarisierungen (Konflikte) aufgelöst werden, indem die einzelnen Teile sich untereinander besser kennen lernen und ihre gute Absichten begreifen, kommt es natürlicherweise zur Gesundung der Psyche. Auf diese Weise können Trauma, Ängste, Depression und Burnout geheilt werden.

Angst, Schrecken, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Scham- und Schuldgefühle effektiv behandeln: Trauma-Behandlung mit Psychotherapie in Göttingen

Die Achtsamkeitstherapie mit dem inneren Familiensystem (IFS) im Überblick

  • ist stärkend und erleichternd für den Klienten. Zu durchschauen, dass nicht »ich als ganze Person« mich problematisch fühle und verhalte, sondern nur ein Teil von mir, eröffnet völlig neue Lösungsmöglichkeiten.
  • achtet das Tempo und die Ressourcen des Klienten und geht nie gegen inneren Widerstand. Die Vorgehensweise ist von hohem Respekt für das innere System des Klienten geprägt und basiert auf Achtsamkeit, Wertschätzung und Mitgefühl.
  • bewirkt oft erstaunlich schnelle Veränderung und kann für eine Vielzahl von Schwierigkeiten und Themen eingesetzt werden.
  • legt den Fokus nicht auf Probleme, sondern auf Lösungen und die Fähigkeit des Klienten, sein eigenes inneres System neu zu organisieren.
  • geht davon aus, dass jeder Mensch einen unverletzlichen, heilen Kern hat, zu dem er wieder Zugang finden kann. Der Zugang zu diesem inneren Kern, den auch die Achtsamkeitspraxis stärkt, ermöglicht ein Gefühl von Sinn im Leben, von Gelassenheit, Zuversicht, Lebenskraft und Verbindung zu einer tieferen Quelle des Seins.
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